In diesem INGLOSUS-Interview spricht Maribel Soto-Sobrino Bahri, Vorständin der BKK Wirtschaft & Finanzen, mit Darius Maleki, Vice-Chairman der INGLOSUS Stifting über die Zukunft des deutschen Gesundheits- und Versicherungssystems. Im Mittelpunkt stehen die Rolle von Prävention als Schlüssel für eine nachhaltige Versorgung, das Zusammenspiel von gesetzlicher und privater Krankenversicherung sowie die Chancen und Grenzen von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen.
Besonders betont Frau Soto-Sobrino Bahri die Bedeutung des persönlichen Kontakts in der Versorgung, den sie trotz technologischer Innovationen als unverzichtbar ansieht. Gleichzeitig plädiert sie für einen stärkeren europäischen Vergleich der Gesundheitssysteme und einen offenen, ehrlichen Dialog mit der Politik.
Zentrale Themen des Interviews:
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Prävention und Gesunderhaltung als Fundament einer effizienten Gesundheitsversorgung
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Mensch versus Technologie: Wie KI sinnvoll unterstützen, aber nicht ersetzen kann
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Lehren aus europäischen Nachbarländern für das deutsche Gesundheitssystem
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Wunsch nach mehr Transparenz und echtem Dialog zwischen Gesundheitswesen und Politik
Maribel Soto-Sobrino Bahri:
„Das Thema Gesunderhaltung muss weiter dringend in den Fokus geraten – das ist der Schlüssel für eine effiziente Versorgung.“
„Innovation ist eine wichtige Bereicherung, aber sie darf niemals den Menschen und das persönliche Gespräch ersetzen.“
Das ganze Interview finden Sie hier.
Transkript des Interviews
Darius Maleki:
Ich wünsche Ihnen erst einmal einen wunderschönen guten Morgen, liebe Frau Maribel Soto-Sobrino Bahri. Ein herzliches Willkommen zu diesem Gespräch hier mit der INGLOSUS Stiftung.
Wir haben heute ein ganz besonders spannendes Thema aufgeschlagen – das Thema Gesundheit. Gesundheit ist nicht nur eines der 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, sondern vor allem auch in Deutschland von zentraler Bedeutung, insbesondere im Zusammenspiel mit der Versicherungs- und Gesundheitsbranche.
Es war uns daher ein großes Anliegen, dieses Thema gemeinsam mit Ihnen noch einmal zu vertiefen.
Sie sind Vorständin der BKK Wirtschaft & Finanzen. Vielen Dank, dass Sie sich heute die Zeit nehmen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie uns zu Beginn ein paar Worte zu Ihrer Arbeit sagen könnten: Wo sind Sie tätig, was machen Sie konkret – und warum engagieren Sie sich so stark für den Gesundheitssektor?
Maribel Soto-Sobrino Bahri:
Vielen Dank, lieber Herr Maleki. Ich freue mich sehr, dass wir heute noch einmal miteinander sprechen können und auch den Kongress vom letzten Jahr revue passieren lassen. Das war für mich eine ganz besondere Veranstaltung.
Wie Sie bereits gesagt haben, bin ich Vorständin einer gesetzlichen Krankenversicherung, der BKK Wirtschaft & Finanzen. Unser Hauptsitz befindet sich in Melsungen, zudem haben wir eine Niederlassung in Kassel.
Von meiner Ausbildung her bin ich Rechtsanwältin und bin mit einem eher anderen Blickwinkel in das Gesundheitssystem und in die gesetzliche Krankenversicherung gekommen. Für mich ist jedoch sehr schnell deutlich geworden, dass das Thema Gesundheit – oder genauer gesagt: die Gesunderhaltung – viel stärker in den Fokus rücken muss.
Das ist für mich der zentrale Schlüssel für eine effiziente und nachhaltige Versorgung. Ich freue mich daher sehr, dass wir heute noch einmal darüber sprechen können.
Darius Maleki:
Es gab im vergangenen Jahr – vor, während und nach dem Kongress – extrem viele Neuigkeiten in den Medien. Gerade in Berlin wird derzeit vieles neu geschaffen und umorganisiert, um den Gesundheitssektor fit für die kommenden Jahrzehnte zu machen.
Ein großes Thema ist dabei auch das Zusammenspiel zwischen der gesetzlichen Krankenversicherung und der privaten Krankenversicherung. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie eng diese beiden Systeme – trotz ihrer Unterschiede – miteinander verknüpft sind.
In den Medien wird häufig darüber diskutiert, wie es mit der privaten Krankenversicherung weitergehen soll. Wie sehen Sie diese Debatte?
Maribel Soto-Sobrino Bahri:
Entscheidend ist aus meiner Sicht vor allem eines: Klarheit. Klarheit schafft Vertrauen, und Vertrauen führt wiederum dazu, dass eine gewisse Bindung entstehen kann.
Das ist etwas, was kein Algorithmus dieser Welt leisten kann. Dennoch möchte ich betonen, dass die Innovationen – insbesondere im Bereich der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz – eine große Chance darstellen und unbedingt genutzt werden sollten.
Wir dürfen diese Technologien nicht ablehnen, sondern müssen sie als wichtige Bereicherung und Erweiterung verstehen. Aber eben nicht als Ersatz für das persönliche Gespräch und nicht als Ersatz für den Menschen.
Der Einsatz von KI kann zeitliche Freiräume schaffen, die wir dann wieder in persönliche Begegnungen investieren können.
In der Praxis müssen wir lernen, diese zwei Welten sinnvoll miteinander zu verbinden, sodass der Mensch gestärkt wird – und nicht ersetzt.
Darius Maleki:
Haben Sie für das Jahr 2026 einen ganz persönlichen, inhaltlichen Wunsch für den nächsten Gesundheits- und Versicherungsgipfel?
Maribel Soto-Sobrino Bahri:
Ich wünsche mir, dass wir stärker über den Tellerrand hinausblicken und uns unsere Nachbarländer und das europäische Ausland anschauen. Wir sollten uns fragen: Was können wir von anderen Gesundheitssystemen lernen? Wie sind diese aufgebaut?
Ein weiterer wichtiger Punkt bleibt für mich die Prävention. Besonders interessant ist für mich die Frage, wie Prävention konkret gelingen kann – beispielsweise im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Hier sehe ich einen großen Hebel.
Und mein letzter Wunsch – den Sie wahrscheinlich schon erwartet haben – ist ein offener, ehrlicher Austausch mit der Politik. Ich möchte nicht nur reden, sondern auch Antworten bekommen und wirklich in einen Dialog treten. Das wäre mir persönlich sehr wichtig.
Darius Maleki:
Wir arbeiten auf jeden Fall mit Hochdruck daran, dass diese breite und vor allem neutrale Plattform nicht nur bestehen bleibt, sondern weiter wächst.
Sie sind von Anfang an dabei, und dafür möchten wir Ihnen noch einmal ganz herzlich danken – für Ihren Tatendrang und vor allem für die wertvollen Impulse, die Sie immer wieder setzen, Frau Soto-Sobrino Bahri.
Vielen Dank für dieses Gespräch. Es war mir eine große Freude – nicht nur sehr lehrreich, sondern auch äußerst interessant. Ich freue mich sehr darauf, Sie bald wiederzusehen und gemeinsam zu überlegen, wie wir wirklich neue Dynamik in diesen Sektor bringen können. Vielen Dank für Ihre Zeit.
Maribel Soto-Sobrino Bahri:
Ich danke Ihnen ebenfalls. Es macht immer sehr viel Spaß, mit Ihnen zu sprechen. Und wenn ich etwas bewegen kann, bin ich sehr gerne dabei.
